Krugmann expandiert und produziert nun legendären Kräuterlikör

15. September 20250 Kommentare

Die Übernahme der Marke Sonnenschein durch die Meinerzhagener Traditionsbrennerei Krugmann lässt viele Kunden im Ruhrgebiet aufatmen. Doch die Branche steht vor großen Herausforderungen.


Präsentieren den „Herbeder Tropfen“: Patrick Fayner und Stefan Petersen, Geschäftsführer der Firma Krugmann, erweitern in schwierigen Zeiten für die Branche das Portfolio der Traditionsbrennerei um ein weiteres Produkt. © Zacharias, Frank

Meinerzhagen/Witten - Wie schwer es ist, Tradition zu erhalten, weiß man beim alteingesessenen Spirituosenhersteller Krugmann ganz genau. Der legendäre Weizenkorn mit dem Bauern im Blaukittel genügt längst nicht mehr, um das Unternehmen in eine erfolgreiche Zukunft zu führen. Also zeigten sich die „Krugmänner“ in den vergangenen Jahrzehnten kreativ, kreierten „junge“ Schnäpse mit (mal mehr, mal weniger) geschmackvollen und nicht selten provokanten Namen, und erweiterten das eigene Portfolio auch um weitere, etablierte Marken, die einzeln vor dem Aus standen. Das war schon im 19. Jahrhundert so, als man die Rönsahler Brennerei Haase übernahm und führte über die Marken Leverings Ossenkämper (2011) und Oechelhaeuser (2021) bis hin zur jüngsten „Errungenschaft“ der Meinerzhagener: Wie das Unternehmen in einem Pressegespräch am Donnerstag mitteilte, hat Krugmann die Marken-, Herstellungs- und Vertriebsrechte der Marke Sonnenschein übernommen, einschließlich des Kräuterlikörs Herbeder Tropfen.

Die Übernahme durch Krugmann sei bereits deutlich vor der nun öffentlich gewordenen Insolvenz der Sonnenschein GmbH erfolgt, wie es vonseiten der Geschäftsführer Patrick Fayner und Stefan Petersen heißt. Und insbesondere die Kunden des Herbeder Tropfen freue das, wie die Krugmann-Verantwortlichen aus ersten Gesprächen erfahren haben. „Der Tropfen ist in der Region Witten bis nach Bochum und ins weitere Ruhrgebiet eine feste Größe“, weiß Fayner um den Stellenwert des 42-prozentigen Kräuterlikörs.


Herausforderungen der Branche

Die Nachricht über die Insolvenz der Sonnenschein GmbH habe bei Krugmann Betroffenheit ausgelöst, heißt es an der Krim: Zum einen aufgrund der langjährigen Verbindung beider Häuser. So habe Rainer Mönks, früherer Inhaber von Sonnenschein, seine Ausbildung zum Brenner bei Krugmann absolviert. Auch die Produktion des Herbeder Tropfens war bereits seit einiger Zeit bei Krugmann angesiedelt, wie es weiter heißt. Zum anderen betonen Fayner und Petersen die schwierige wirtschaftliche Lage der Branche, unter der auch das Wittener Unternehmen gelitten hat. Krugmanns Strategie, vermehrt durch Zukäufe von Markenrechten zu expandieren und der Krise zu trotzen, findet in dem aktuellen Erwerb seine Bestätigung.

„Unsere Branche steht seit Jahren vor großen Herausforderungen, nicht nur infolge der Corona-Pandemie, sondern auch des Ukraine-Kriegs und durch veränderte Konsumgewohnheiten“, sagt Patrick Fayner. „Die Inflation hat sich abgeschwächt, aber es gibt sie noch – und die Leute müssen verstärkt darauf achten, wie viel Geld sie ausgeben. Das merken wir natürlich auch.“ Die höheren Produktionskosten einfach an die Verbraucher weitergeben? Das wäre fatal, sagt Fayner. „Wir befinden uns da in einer Klammer aus steigenden Preisen und der Erwartung des Kunden.“

Krugmann, 1867 gegründet und damit das älteste noch existierende Unternehmen der Region, stelle sich dieser Herausforderung aber in vielerlei Hinsicht: zum einen durch immer neue, teils provokante Markteinführungen wie seinerzeit die Spermium-Flasche zum Getränk „Popsy“, zum anderen durch eine „Rückbesinnung auf die Tradition“, wie Geschäftsführer Patrick Fayner sagt. „Das Konzept, immer neue Marken zu kreieren, hat seit den 1990er-Jahren super funktioniert. Da haben wir die Tradition vielleicht etwas vernachlässigt“, sagt er. In den 2010er-Jahren habe man diesen Wert aber neu für sich entdeckt, nicht nur in bestehenden Marken, sondern auch mit neuen. Der Erwerb der Markenrechte von Ossenkämper oder Oechelhaeuser gehörte dazu. Diese Käufe seien auch eine strategische Entscheidung gewesen. „Wir sind mit Ossenkämper nun nördlich von unserer alten Stammregion und mit Oechelhaeuser südlich, im Siegerland, präsent“, erklärt Fayner.

Darüber hinaus sei Krugmann aber auch ein globaler „Player“. Die Neuentwicklung „Cliff Diver“ sei etwa bereits in Nigeria vertrieben worden, zu guten internationalen Märkten zählen laut Stefan Petersen aber auch Japan und – noch – die USA. „Es wird durch die dortige Zollpolitik dort sicher schwerer, aber was genau die Beschlüsse für uns bedeuten, ist noch nicht absehbar“, blickt Patrick Fayner besorgt auf die Ägide Donald Trumps, der in der Firmengeschichte Krugmanns übrigens sogar ein ganz eigenes Kapitel hat: Anlässlich der US-Präsidentenwahl 2016 wollte das Unternehmen den „Trumpinator“ auflegen, um – wie bei vielen anderen Likören zuvor – auf einer Trendwelle mitzuschwimmen. Allein: Das Deutsche Patentamt im München hatte etwas dagegen. Also brachte Krugmann stattdessen „Donalds Haarwasser“ heraus, das mittlerweile aber aus dem Angebot der Firma verschwunden ist.

Mit Innovationen will man aber weiter Kunden gewinnen und halten. Dass der Vertrieb von Alkoholika in Zeiten gesundheitsbewussterer Verbraucher nicht leichter wird, räumen Fayner und Petersen ein. Und so sei auch das Thema „alkoholfreie Spirituosen“ auf der Agenda. „Wir müssen uns damit beschäftigen, aber“, sagt Patrick Fayner, „das Produkt ist, was es ist. Und ohne Alkohol können etwa in Kräuterlikören viele Geschmacksstoffe gar nicht richtig hervorgeholt werden.“ Und für den richtigen, maßvollen Konsum seien ohnehin andere verantwortlich: „Ja, wir sprechen natürlich junge Zielgruppen an. Aber Alkohol ist seit Jahrtausenden Teil unserer Kultur. Für den verantwortungsbewussten Umgang damit können wir nicht sorgen.“ Doch wie sich der Markt auch entwickelt: „Ein eindeutiges Bekenntnis zu Meinerzhagen haben wir schon vor zehn Jahren abgegeben und daran hat sich nichts geändert“, betont Patrick Fayner.

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